PFAS: Unsichtbare Gefahr in unserer Umwelt und wie Sie sich schützen können

01. Oktober 20247 Min. LesedauerVerfasst von Dr. Stefan Bauer

Per- und Polyfluoralkylsubstanzen (PFAS) sind Chemikalien, die in vielen alltäglichen Produkten vorkommen und durch ihre wasser- und schmutzabweisenden Eigenschaften geschätzt werden. Doch ihre Auswirkungen auf Gesundheit und Umwelt sind alarmierend, und für Unternehmen entsteht zunehmend regulatorischer Druck.

PFAS: Unsichtbare Gefahr in unserer Umwelt und wie Sie sich schützen können

Was sind PFAS?

PFAS (Per- und Polyfluoralkylsubstanzen) sind eine Gruppe von über 10.000 synthetischen Chemikalien, die seit den 1940er Jahren in zahlreichen Industrie- und Konsumgütern eingesetzt werden. Sie sind bekannt für ihre wasser-, fett- und schmutzabweisenden Eigenschaften und kommen in Beschichtungen für Kochgeschirr, Textilien, Verpackungen, Feuerlöschmitteln und Kosmetika vor.

Das zentrale Problem: PFAS sind äußerst persistent. Sie bauen sich in der Umwelt kaum ab und akkumulieren in Böden, Gewässern und im menschlichen Körper. Der Begriff 'Ewigkeitschemikalien' beschreibt dieses Verhalten treffend.

Wie gelangen PFAS in unseren Körper?

Menschen nehmen PFAS hauptsächlich über Lebensmittel auf. Besonders problematisch ist belastetes Trinkwasser, da erhöhte PFAS-Werte im Wasser direkt zu einer erhöhten Konzentration dieser Substanzen im menschlichen Körper führen.

Zudem können flüchtige PFAS über die Luft eingeatmet werden. Haushaltschemikalien wie Imprägniersprays oder Teppichbeschichtungen setzen PFAS-freisetzende Verbindungen wie Fluortelomeralkohole frei, die die Innenraumluft belasten.

Gesundheitsgefahren durch PFAS

Langkettige PFAS wie Perfluoroctansulfonsäure (PFOS) und Perfluoroctansäure (PFOA), obwohl mittlerweile verboten, sind weiterhin in der Umwelt und in Lebensmitteln nachweisbar. Diese Substanzen verbleiben nach der Aufnahme über lange Zeit im Körper, insbesondere in Organen wie der Leber und im Blut. Auch Babys sind gefährdet, da sie PFAS sowohl über die Plazenta als auch später über die Muttermilch aufnehmen.

Eine Studie der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) aus dem Jahr 2020 zeigte, dass ein Großteil der europäischen Bevölkerung PFAS-Mengen aufnimmt, die über der tolerierbaren Wochendosis liegen. Zu den dokumentierten Folgen gehören Immunbeeinträchtigungen bei Kindern und erhöhte Cholesterinwerte.

PFAS-Analysen und Nachweisverfahren

PFAS können in Wasser, Boden, Lebensmitteln und menschlichen Proben nachgewiesen werden. Die Flüssigchromatographie-Tandemmassenspektrometrie (LC-MS/MS) ermöglicht die Erkennung von über 27 verschiedenen PFAS-Verbindungen äußerst präzise und sensibel.

Für Unternehmen, die ihre Produkte auf PFAS-Belastung prüfen möchten, stehen zertifizierte Labore zur Verfügung, die nach standardisierten Methoden analysieren.

Umstellung auf PFAS-freie Produkte: Eine Herausforderung

Die Umstellung auf PFAS-freie Alternativen erfordert systematische Datenanalysen. Folgende Ressourcen unterstützen Unternehmen bei der Substitution:

PRIO-Service der schwedischen Chemikalienagentur: Priorisierungsrahmen für bedenkliche Stoffe.

PFAS-GUIDE von ChemSec: Praktischer Leitfaden zur Identifikation und Substitution von PFAS.

ChemSec Marketplace: Plattform für PFAS-freie Alternativen.

ZeroPM Alternative Assessment Database: Detaillierte Informationen zu PFAS-freien Lösungen aus dem europäischen Forschungsprojekt.

Ihr Weg zu einem PFAS-freien Unternehmen

Für Unternehmen, die ihre PFAS-Exposition reduzieren wollen, empfiehlt Sustainista drei konkrete Schritte:

1. Materialaudit: Identifizieren Sie alle PFAS-haltigen Materialien und Produkte in Ihrer Lieferkette.

2. Substitutionsprüfung: Bewerten Sie verfügbare Alternativen auf Basis von Leistung, Kosten und Nachhaltigkeitsprofil.

3. Roadmap erstellen: Entwickeln Sie einen realistischen Zeitplan für die schrittweise Umstellung, inklusive Lieferantenkommunikation und Produkttests.

Wir beraten zu diesem Thema

Sustainista begleitet Unternehmen beim Aufbau von ESG-Daten, Digitalem Produktpass und KI-Automatisierung. Erstes Gespräch kostenlos.

Häufige Fragen zu Product Carbon Footprint